5h blaugrün – Retusche auf 100/I und der (nicht-)monographische Fehler auf 90/II und 100/II

Die 5h blaugrün (Pof. Nr. 4) ist ein sehr interessanter Wert. Gedruckt wurden knapp 119 Millionen Marken, das ist die höchste Zahl der ganzen Ausgabe Hradschin. Für eine solche Menge mussten 8 Druckplatten hergestellt werden (ebenfalls die meisten aller Werte der Ausgabe). Anders als die 15h oder die 25h enthält der Wert 5h nur wenige Markenfelder des Spiral- oder Querstegtyps. Eine große Variabilität ergibt sich jedoch aus der Kombination von 8 Druckplatten, 3 Katalogfarbtönen und, neben der geschnittenen Ausführung, 6 amtlich verwendeten Zähnungsarten.

Beim Studium und bei der Rekonstruktion der ersten und zweiten Druckplatte bin ich auf sehr interessante Abweichungen beim 100. Markenfeld der ersten und der zweiten Druckplatte sowie beim 90. Markenfeld der zweiten Druckplatte gestoßen.

100/I

Auf diesem Markenfeld der ersten Druckplatte kam es während des Druckes zu einer Retusche – zur Überarbeitung des gesamten rechten Randes der Zeichnung. Der ursprüngliche, im Verhältnis zur übrigen Zeichnung unverhältnismäßig kräftige Rand wurde abgeschliffen. Diese Überarbeitung gelang jedoch nicht ganz – die rechte untere Ecke wurde erheblich stärker abgeschliffen, und ihre Beschädigung ist in der Zeichnung deutlich sichtbar.

Aus der Monographie wissen wir, dass die erste und die zweite Druckplatte für geschnittene Marken, für die Kammzähnung 13¾ : 13½ (A) sowie für die Linienzähnungen 11½ (D) und 11½ : 10¾ (E) verwendet wurden. Aus Mangel an Material kann ich das Vorkommen der Varianten bei der Zähnung D nicht belegen. In der Tabelle unten ist zu sehen, dass bei der Zähnung E nur die ursprüngliche, unbearbeitete Variante der Zeichnung vorkommt.

100/I
Variante 1
kräftiger Rand
Variante 2
abgeschliffener Rand
geschnitten
A
E

Aus der Praxis kann ich feststellen, dass das Vorkommen der Marken nach der Überarbeitung (Variante 2), also mit dem abgeschliffenen Rand, in der geschnittenen Ausführung deutlich geringer ist als vor der Überarbeitung (Variante 1). Bei der Zähnung A ist es umgekehrt.

Variante 1 · Variante 2

90 und 100/II

Wenn Sie sich in den monographischen Plattenfehlern auskennen – den Fehlern des Negativs, die Dr. Kubát in der Monographie der tschechoslowakischen Briefmarken (1968) aufgezählt hat –, wissen Sie, dass für diese Felder die Fehler „rechter Rahmen unten ausgesplittert“ bzw. „rechter Rahmen in der Mitte ausgesplittert“ angeführt werden.

Ich kann feststellen, dass beide Fehler keine Fehler des Negativs sind. Es kommen nämlich Marken beider Markenfelder ohne die Beschädigung vor. Beide Absplitterungen wurden also durch unsachgemäße Handhabung der Druckplatte während des Druckes verursacht. Das Vorkommen beider Zustände in den verschiedenen Zähnungen zeigt die Tabelle; die Variante 1 in der Zähnung A konnte ich bisher nicht auffinden.

90 + 100/II
Variante 1
unbeschädigter Rand
Variante 2
beschädigter Rand
geschnitten
A
E

Beim Markenfeld 90/II habe ich zwei Varianten festgestellt: den unbeschädigten und den beschädigten Rand:

Variante 1 · Variante 2

Beim Markenfeld 100/II kommt die Zeichnung ohne Beschädigung (Variante 1) und mit einer Beschädigung vor, die sich weiterentwickelt (Varianten 2a und 2b) – zu sehen ist das Abbrechen des unteren Randes der Kerbe im Rahmen der Zeichnung:

Variante 1 · Variante 2a · Variante 2b

Innerhalb eines Bogens kommt naturgemäß entweder nur die Variante 1 der Markenfelder 90 und 100 vor oder nur die Variante 2. Die Häufigkeit des Vorkommens beider Zustände versuche ich zu erfassen.

Zum Schluss eine Theorie: Beide Tabellen zeigen, dass bei der Zähnung E stets nur eine Variante vorkommt. Ich schließe daraus, dass die Retusche auf der ersten Druckplatte und die Beschädigung auf der zweiten Platte zur selben Zeit erfolgt sein könnten – während der Reinigung der Platten. Hundertprozentig lässt sich diese Theorie jedoch nicht bestätigen.

Josef Matoušek (24. Juni 2017)