Postalische Verwendung
Die Hradschin-Marken dienten in den Jahren 1918–1921 als laufende Gebrauchsmarke der neu entstandenen Tschechoslowakei und begleiteten das Land damit durch eine Zeit rasch wechselnder Postgebühren — insgesamt vier Tarifperioden. Das Studium von Belegen, Frankaturen und Stempeln aus dieser Zeit — von der gewöhnlichen Korrespondenz über Bahnpostämter bis zu den Sonderstempeln der ersten öffentlichen Veranstaltungen der jungen Republik — ist daher ein eigenständiges und ergiebiges Gebiet der Postgeschichte. Diese Seite fasst den allgemeinen Rahmen zusammen: einen Überblick über die Tarife und Gebühren, die während des Umlaufs der Hradschin-Marken galten. Einzelheiten zur postalischen Verwendung der einzelnen Werte (z. B. Bahnpostämter, Postamtslisten und interessante Frankaturen) finden Sie auf den Seiten zum jeweiligen Wert — als erster wird der Wert 15 h auf diese Weise behandelt.
Frankaturarten nach Beleg
Je nachdem, welche Marken ein Beleg trägt, werden Frankaturen üblicherweise in mehrere Grundtypen eingeteilt. Die Unterscheidung ist bei der Beschreibung von Belegen und bei der Suche nach interessanteren Kombinationen nützlich:
- Einzelfrankatur — eine Hradschin-Marke eines einzigen Werts.
- Mehrfachfrankatur — mehrere Hradschin-Marken desselben Werts.
- Kombinationsfrankatur — zwei Hradschin-Marken zweier verschiedener Werte.
- Mischfrankatur — eine oder mehrere Hradschin-Marken zusammen mit einer Marke einer anderen, zur gleichen Zeit gültigen Ausgabe.
- Bunte Frankatur — drei oder mehr Hradschin-Marken mit drei oder mehr verschiedenen Werten.
- Gemeinschaftsfrankatur — Hradschin-Marken zusammen mit einer Marke aus einer Nicht-Freimarkenausgabe (z. B. Eilmarken oder Zeitungsmarken).
Die Terminologie und die genauen Grenzen der einzelnen Typen (insbesondere Kombinations-, bunte und Gemeinschaftsfrankatur) variieren in der Literatur und bei einzelnen Autoren leicht; die hier angegebene Einteilung folgt der üblichen Auktions- und Sammlerpraxis. Die Begriffe Einzel-, Mehrfach- und Mischfrankatur entsprechen den allgemeinen philatelistischen Definitionen (vgl. Cojeco — Frankatura; im Englischen: single/multiple/mixed franking).
Tarife und Postgebühren
Die Hradschin-Marken waren ab dem 18. Dezember 1918 im Verkauf (die einzelnen Werte erschienen nach und nach bis 1920) und blieben danach noch länger im Umlauf — praktisch deckten sie damit vier Tarifperioden ab. Eine fünfte Periode begann erst am 1. Januar 1922, also schon nach ihrer Einziehung aus dem Verkehr; sie wird in der Tabelle nur zum Vergleich angeführt. Die Gebühren sind in Heller angegeben und beziehen sich auf den Inlandsverkehr.
| Zeitraum | Gültigkeit | Postkarte | Brief bis 20 g | Weitere 20 g | Drucksache (bis 50 g) | Einschreiben | Express |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| I. | 28. 10. 1918 – 14. 5. 1919 übernommene österreichische Gebühren |
10 | 20 | 5 | 3 | 25 | 60 |
| II. | 15. 5. 1919 – 14. 3. 1920 | 15 | 25 | 5 | 5 | 50 | 60 |
| III. | 15. 3. 1920 – 31. 7. 1920 | 20 | 30 | 5 | 5 | 50 | 60 |
| IV. | 1. 8. 1920 – 31. 12. 1921 | 40 | 60 | 20 | 10 | 125 | 60 / 100* |
| V. | ab 1. 1. 1922 außerhalb der Gültigkeit der Hradschin-Marken — nur zum Vergleich |
50 | 100 | ? | 20 | 200 | 100 |
* Die Quellen geben den Eilzuschlag der 4. Periode unterschiedlich an — 60 h (SCP) oder 100 h (RPSL, gültig ab dem 15. 10. 1920). Dieses Datum entspricht jedoch der Ausgabe der 100-Heller-Marke und nicht notwendigerweise einer Gebührenänderung, sodass der genaue Zeitpunkt der Erhöhung offen bleibt.
Die häufigsten Frankaturen
- I. Periode — Postkarte 10 h, Brief 20 h, Einschreibebrief 45 h (z. B. 3×10 h + 3×5 h auf einem Einschreibebrief vom 19. 12. 1918)
- II. Periode — Postkarte 15 h, Brief 25 h, Doppelpostkarte 30 h, Einschreibebrief 75 h
- III. Periode — Postkarte 20 h, Brief 30 h, Einschreibebrief 80 h
- IV. Periode — Postkarte 40 h, Brief 60 h, Einschreibebrief 185 h (für diese Frankatur erschien auch die Allegorie zu 185 h), Drucksache 10 h
Besondere Inlandsgebühren (II. Periode)
Eine zeitgenössische Quelle (Hospodářský list, 1919) nennt auch Gebühren für weitere Sendungsarten, die in der 2. Tarifperiode galten:
- Geschäftspapiere — 5 h je 50 g, mindestens 25 h
- Warenproben — 5 h je 50 g, mindestens 15 h
- Postanweisung bis 50 K — 25 h, für je weitere 50 K 5 h
- Wertbrief — Zuschlag von 20 h je 300 K des angegebenen Wertes
Die Erhöhung gegenüber den vorherigen Gebühren betrug im Durchschnitt 20–50 %, bei während des gesamten Krieges unveränderten Gebühren sogar 100 %.
Auslandsgebühren
- I. Periode — Brief bis 20 g 25 h, je weitere 20 g 5 h, Einschreiben +25 h (eine andere Quelle nennt +50 h — die Quellen widersprechen sich in diesem Punkt)
- II. Periode — Brief 50 h, je weitere 20 g 30 h, Einschreiben +50 h. Für das sogenannte nahe Ausland (Deutschland, Österreich, Ungarn, Jugoslawien, Polen, Westukraine) galten die Inlandsgebühren, d. h. Brief 25 h und Einschreiben +50 h.
- III. und IV. Periode — die Auslandsgebühren ließen sich aus den verfügbaren Quellen nicht zuverlässig ermitteln. RPSL nennt für die Jahre 1920–21 eine ermäßigte Gebühr von 100 h in einige Nachbarstaaten sowie eine Gebühr von 25 h für Drucksachen ins Ausland.
- ab 1. 1. 1922 (V. Periode, außerhalb der Gültigkeit der Hradschin-Marken) — Brief 250 h, Postkarte 50 h, Einschreiben +250 h.
- Das Ende der postalischen Gültigkeit der Hradschin-Marken — keine der verfügbaren Quellen nennt ein genaues Datum. Traditionell wird das Ende des Jahres 1921 angegeben, dies muss aber im POFIS oder in der Monographie der tschechoslowakischen Briefmarken überprüft werden.
- Die Höhe des Eilzuschlags in der 4. Periode (60 oder 100 h) — siehe Anmerkung oberhalb der Tabelle.
- Eine Orts-(Lokal-)Gebühr — keine der verwendeten Quellen erwähnt sie für die ČSR der Jahre 1918–1921; es scheint, dass von der österreichischen Praxis abgegangen wurde.
- Auslandsgebühren in der 3. und 4. Tarifperiode — vollständige Tabellen konnten bislang nicht ermittelt werden.
Quellen: SCP – Collecting Czechoslovakia: The Transition Period · RPSL – Czechoslovakia, The Allegory Issues 1920–1926 · Hospodářský list (1919), zit. nach Bejvávalo.cz · Philaseiten – Tschechoslowakei: Belege bestimmen · Burda Auktion 71 – Hradschin-Belege · CPSGB – Czechout-Artikelverzeichnis · Kunc, Poštovnictví na území německo-rakouských provincií (Tschechisches Nationalarchiv) · Infofila – Tschechoslowakische Post 1918–1919 · World Stamps Project. Ausführlichere Tabellen dürften auch in Czechout zu finden sein: Feldmann, Changeover dates of postal rates (12/1989); Hutyra, Schedule of postal rates (3/1995); Švejnar, Valuable items … in six tariff periods (9/2005).