Stempel mit Datum außerhalb der Gültigkeit der Hradschin-Marken
Der Wert 15 h erschien am 7. Juni 1919, und die postalische Gültigkeit der gesamten Hradschin-Ausgabe endete am 30. April 1921. Dennoch taucht unter den gebrauchten Marken von Zeit zu Zeit ein Stück auf, dessen Stempeldatum außerhalb dieses Zeitraums liegt — meist nach seinem Ende, ausnahmsweise sogar vor der Ausgabe der Marke. Die häufigste Erklärung ist eine falsch eingestellte Datumsscheibe des Stempels. Diese Seite sammelt solche Funde und wird mit weiteren Stücken ergänzt.
Viererblock 15 h der 6. Druckplatte, Zähnung C — „13. VI. 21“
Das erste belegte Stück: ein Viererblock 15 h der 6. Druckplatte (Felder 48, 49, 58 und 59), Linienzähnung C. Der Stempel mit Stern und der Bezeichnung Č.S.P. — der Ortsname ist unleserlich — trägt das Datum 13. VI. 21, also den 13. Juni 1921, mehr als einen Monat nach dem Ende der Gültigkeit.
Wie ist ein solches Stück zu lesen? Die wahrscheinlichste Erklärung ist ein falsch eingestelltes Datumsrad des Stempels — der Postbedienstete hat die Jahreszahl verstellt. Solche Irrtümer sind auch von anderen Ausgaben bekannt, und bei einer losen Marke ohne Beleg lassen sie sich weder ausschließen noch bestätigen. Weitere Möglichkeiten sind eine verspätete Entwertung einer noch während der Gültigkeit frankierten Sendung und die schlichte Toleranz der Post, die die alte Marke noch annahm. Entscheiden lässt sich das in der Regel nur am Beleg — nach Inhalt, Gebühr und Ankunftsstempel.
In der Erfassung führen wir diesen Block als Fehleinstellung des Stempels, also unter dem Jahr 1920 (Juni); der Beobachtungszeitraum der Erfassung datierter Stempel endet ohnehin im April 1921.
Vier weitere Stücke — Karlsbad, Theresienstadt, Aussig, Krombach
Aus demselben Material stammen vier Einzelmarken zu 15 h, diesmal in Linienzähnung A und B. Alle vier tragen auf der Datumsscheibe die Jahreszahl „21“ und liegen damit nach dem Ende der Gültigkeit:
- Feld 56 / Platte V, Zähnung B, Stempel KARLSBAD mit Datum 4. V. 21 — nur vier Tage nach dem Gültigkeitsende.
- Feld 27 / Platte III, Zähnung B, Stempel TEREZÍN (Theresienstadt) mit Datum 20. V. 21.
- Feld 13 / Platte V, Zähnung B, Stempel ÚSTÍ N. LABEM 2 (Aussig, Č.S.P.) mit dem Monat X. 21; der Tag ist unleserlich.
- Feld 31 / Platte VI, Zähnung A, Stempel KROMBACH (Krompach, Č.S.P.) mit Datum 26. VII. 21 — das bisher späteste Datum in unserer Erfassung.
Für sie gilt dasselbe wie für den Viererblock oben: Ohne Beleg lässt sich nicht entscheiden, ob die Datumsscheibe falsch eingestellt war oder ob die Marke tatsächlich verspätet verwendet wurde; beim Karlsbader Stempel, nur wenige Tage nach dem 30. April, ist eine Duldung durch die Post durchaus denkbar. In der Erfassung führen wir sie wie den Block, also unter dem Jahr 1920, und Terezín und Krompach sind auf dieser Grundlage auch in die Stempelkarte eingetragen. Weitere gefundene Stücke mit Datum nach dem 30. 4. 1921 werden hier nach und nach ergänzt.
Der umgekehrte Fall: ein Datum vor der Ausgabe der Marke — Karlín „22. V. 19“
Eine falsch eingestellte Datumsscheibe kann das Datum auch in die andere Richtung verschieben. Ein senkrechtes Paar zu 15 h von Platte 5 (Felder 18 und 28), Linienzähnung C, trägt einen Stempel KARLÍN (Unterscheidungsbuchstabe „d“) mit dem Datum 22. V. 19. Der Wert 15 h kam aber erst im Juni 1919 an die Schalter (die früheste belegte Verwendung ist der 24. 6. 1919 auf einer ungezähnten Marke der Platten 1–2), und die Zähnung C auf den Platten 5 und 6 ist frühestens ab Februar 1920 belegt. Das Datum liegt also mehr als ein Jahr vor der ersten möglichen Verwendung, und eine Fehleinstellung ist hier die einzige Erklärung — das tatsächliche Datum dürfte der 22. V. 1920 sein, und so führen wir das Paar auch in der Erfassung.