Herstellungsfehler

Die Ausgabe Hradschin entstand 1919 in Eile, auf provisorischer Ausrüstung und aus dem Papier, das gerade zur Hand war. Die Spuren dieser Eile sind auf den Marken bis heute zu sehen. Diese Seite sammelt die Herstellungsfehler des Wertes 15h — also Abweichungen, die während der Herstellung des Bogens entstanden sind, nicht Beschädigungen nach der Ausgabe. Geordnet sind sie nach der Fertigungsstufe: Papier → Druck → Perforation. Wie der ganze Vorgang ablief und warum er gerade diese Abweichungen hervorbringt, erklärt die Seite Buchdruck.

Ein Herstellungsfehler ist nicht dasselbe wie eine Katalogvariante. Die Zähnungsgruppen A–H, die Typen der Zeichnung oder die Farbtöne beschreiben, womit und wie ein Bogen hergestellt wurde, und sie sind regelmäßig. Ein Fehler ist eine Störung desselben Vorgangs — bei den meisten Arten zufällig, bei einigen (Lichtstellen) an eine bestimmte Stelle der Platte gebunden. Konstante Plattenfehler, die sich auf demselben Markenfeld wiederholen, gehören zur Plattenrekonstruktion — Sie finden sie in der Positionsgalerie.

Zähnungsfehler

Die Zähnung war der letzte Arbeitsgang und zugleich der fehleranfälligste. Bei der Linienzähnung wurde jede Lochreihe einzeln angelegt, sodass ein ganzer Bogen aus Dutzenden von Schlägen entstand, deren Genauigkeit von der Bedienung abhing. Daher rühren zwei gegensätzliche Fehler: eine Reihe zu viel und eine Reihe, die fehlt.

Doppelzähnung

Ein eigenes Kapitel sind Stücke, bei denen das Zähnungswerkzeug denselben Zwischenraum zweimal durchlaufen hat. Je nachdem, wie weit die beiden Schläge voneinander entfernt auftrafen, sieht das Ergebnis völlig anders aus: Bei geringer Verschiebung überlappen sich die Löcher und die Zähne bleiben ausgefranst, bei größerer entstehen zwei deutlich getrennte Reihen und dazwischen ein Papierstreifen. Beide Erscheinungsformen sind in der Sammlung belegt.

Stück 1 — zwei eng versetzte Schläge

15h s dvojitou perforací / 15h with double perforation
15h ziegelrot — Doppelzähnung an beiden senkrechten Seiten
detail levé strany / detail of the left side
Detail der linken Seite, um 90° gedreht — ungleich breite Zähne und Paare eng benachbarter Löcher

Auf diesem Stück traf der zweite Schlag beide senkrechten Seiten, und vom ersten trennt ihn nur ein Bruchteil des Lochabstands. Die Reihen decken sich daher nur um ein Geringes nicht: Die Löcher überlappen sich stellenweise, und dazwischen bleiben schmale, ausgefranste Zähne. Entlang der Seite wechseln sich normal breite Zähne mit auffallend dünnen ab, und die Tiefe der Einschnitte schwankt; im vergrößerten Detail ist zu sehen, wie ein Paar eng benachbarter Löcher nur ein dünner Papierstreifen trennt.

Stück 2 — zwei getrennte Reihen an der Unterseite

15h mit Doppelzähnung am unteren Rand
15h ziegelrot, Feld 100/III — an der Unterseite zwei Lochreihen
Detail des unteren Randes mit zwei Lochreihen
Detail des unteren Randes — die obere Lochreihe blieb vollständig im Rand erhalten, entlang der unteren wurde die Marke abgetrennt

Das Stück ist bestimmt als Markenfeld 100 der dritten Druckplatte — die rechte untere Ecke des Bogens, also die letzte Reihe. Die Unterseite durchlochten hier zwei eigenständige Lochreihen übereinander, gegeneinander um weniger als einen Lochabstand versetzt, sodass sie sich nicht vermischten und wie zwei Parallelen nebeneinander liegen. Die Marke wurde entlang der unteren von ihnen abgetrennt — diese hat das übliche gezähnte Profil — während die obere Reihe vollständig blieb: Sie liegt unberührt im Rand als durchgehende Folge runder Löcher, weil an ihr nicht getrennt wurde. Genau das ist an dem Stück das Wertvollste. Eine unversehrte Lochreihe innerhalb des Randes kann durch nichts anderes entstehen als durch einen zweiten Durchgang des Werkzeugs, sodass der Fehler sich selbst belegt — anders als ausgefranste Zähne, die sich mit unachtsamem Abreißen verwechseln lassen.

Wie der Fehler entstand

Das Wesentliche ist bei beiden Stücken dasselbe: ein und derselbe Zwischenraum erhielt zwei Schläge. Passieren kann das mit beiden Werkzeugen, mit denen die Ausgabe gelocht wurde, doch jedes kommt auf einem anderen Weg dorthin — und die beiden Stücke auf dieser Seite zeigen genau diese zwei verschiedenen Wege.

  • Der Linienperforator schlägt immer eine gerade Lochreihe über den ganzen Bogen; der Bogen wird dann um die Größe einer Marke weitergeschoben und das Werkzeug schlägt erneut zu. Ein ganzer Bogen entsteht so aus Dutzenden einzelner Schläge, und die Genauigkeit hängt an der Bedienung. Wenn der Bogen verrutschte, ein zweites Mal angelegt wurde oder die Bedienung den Überblick verlor, welchen Zwischenraum sie schon gelocht hatte, erhält derselbe Zwischenraum einen Schlag zu viel — und weil die senkrechten und die waagerechten Reihen in getrennten Durchgängen entstanden, kann es jede von ihnen treffen. Dem entspricht Stück 1: verdoppelt sind beide senkrechten Seiten, und die Verschiebung ist so gering, dass sich die Löcher überlappen.
  • Der Kammperforator durchlocht mit einem Hub drei Seiten einer ganzen Markenreihe, und der Bogen wird dann um eine Reihe weitergeschoben. Versagt dieser Vorschub — der Bogen rückt zu wenig vor oder verrutscht — trifft der waagerechte Teil des Kammes in einen Zwischenraum, den der vorhergehende Hub bereits durchlocht hat. So entsteht eine verdoppelte waagerechte Reihe, während die senkrechten Seiten in Ordnung bleiben, denn diese besorgen die senkrechten Zinken des Kammes. Genau das zeigt Stück 2: zwei Reihen übereinander an der Unterseite und unberührte senkrechte Seiten. Bei ihm passt zudem auch die Lage im Bogen. Das Stück stammt aus der letzten Reihe, und den unteren Rand der letzten Reihe schließt der Kamm mit einem eigenen abschließenden Hub — es ist der einzige Zwischenraum, den ein Hub nur schließt, statt mit ihm zugleich die folgende Reihe zu öffnen. Eine Wiederholung gerade dieses Hubes zeigt sich daher genau dort, wo sie zu sehen ist.

Die Richtung der Verdopplung verrät daher schon für sich, mit welchem Werkzeug gearbeitet wurde. Eine verdoppelte senkrechte Seite weist auf Linienzähnung hin; eine verdoppelte waagerechte Reihe bei unberührten senkrechten Seiten entspricht einem Versagen des Vorschubs beim Kamm. Bei Stück 2 bestätigt das auch der Lochabstand: Er ist gröber als bei Stück 1 und entspricht der Kammzähnung B. Die Bestimmung des Stückes auf Feld 100/III schließt das ab — der Kamm schlug dort zweimal mit sehr geringer Verschiebung zu.

Die Doppelzähnung ist keine eigenständige Katalogzähnung. Die Gruppen A–H beschreiben die Art des Werkzeugs und den Lochabstand, also womit der Bogen durchlocht wurde — ein wiederholter Durchgang desselben Werkzeugs ändert den Lochabstand nicht, und die Marke wird nach derjenigen Reihe bestimmt, die dem ordnungsgemäßen Durchgang entspricht. Sie wird als Zähnungsabweichung geführt: von Sammlern gesucht, aber außerhalb der Katalogeinteilung. Von den außergewöhnlichen Zähnungen I und L lässt sie sich leicht unterscheiden — dort trägt jede Seite eine Lochreihe, nur mit anderem Lochabstand als die gegenüberliegende Seite, während bei der Doppelzähnung dieselbe Seite zwei Reihen trägt.

Fehlende Zähnung

Das Gegenteil eines Doppelschlags ist ein Durchgang, der überhaupt nicht stattfand. Zwischen zwei Markenreihen bleibt dann ein durchgehender Papierstreifen, und der Bogen lässt sich an dieser Stelle nicht trennen. Die Marken mussten mit der Schere oder durch Reißen getrennt werden, sodass das fertige Stück eine oder mehrere glatte, zahnlose Seiten hat — und die übrigen Seiten normal gezähnt.

Stück 1 — fehlende waagerechte Zähnung

15h bez vodorovného zoubkování / 15h without horizontal perforation
Ober- und Unterseite ohne Zähnung, die senkrechten Seiten gezähnt
detail horní strany / detail of the top side
Detail des oberen Randes — ein glatter Schnitt ohne ein einziges Loch

Es fehlen beide waagerechten Zähnungen: Ober- und Unterseite sind mit der Schere getrennt, die senkrechten Seiten haben die normale Zähnung. Dass der Schnitt zwischen zwei Marken verlief, verrät der untere Rand — auf ihm ist noch ein Stück des Rahmens der Nachbarmarke zu sehen. Ausgelassen wurden also zwei aufeinanderfolgende waagerechte Reihen, was beim Linienperforator bedeutet, dass der Bogen gleich zweimal hintereinander ohne Schlag durchlief.

Stück 2 — fehlende senkrechte Zähnung

15h bez levého svislého zoubkování / 15h without the left vertical perforation
Linke Seite ohne Zähnung, die übrigen drei Seiten gezähnt
detail levé strany / detail of the left side
Detail der linken Seite (um 90° gedreht) — ein breiter glatter Rand mit Farbspuren der Nachbarmarke

Hier fehlt eine einzige senkrechte Reihe — die linke Seite. Ober-, Unter- und rechte Seite sind gezähnt. Der breite glatte Rand links trägt schwache Spuren roter Farbe der Nachbarmarke, sodass auch hier der Schnitt durch den freien Zwischenraum zwischen zwei Marken verlief. Das Stück belegt sich damit selbst: Wäre der Rand nur beschnitten, würde daran Papier fehlen und nicht überstehen.

Stück 3 — fehlende obere Zähnung

15h bez horního zoubkování / 15h without the top perforation
Oberseite ohne Zähnung, die übrigen drei Seiten gezähnt
detail horní strany / detail of the top side
Detail des oberen Randes — ein glatter Schnitt und darüber Rahmen und Schrift der Nachbarmarke

Das dritte Stück ist das anschaulichste der ganzen Reihe. Es fehlt die obere waagerechte Reihe; die linke, rechte und untere Seite sind gezähnt. Im breiten oberen Rand blieben der Rahmen und ein Rest der Schrift der Nachbarmarke erhalten — der Schnitt verlief also nicht durch die Mitte des Zwischenraums, sondern griff in die Zeichnung der darüberliegenden Marke ein. Ein solcher Rand ist zugleich der beste Echtheitsbeweis: Zusätzliches Papier mit fremdem Druck lässt sich nicht durch Abschneiden der Zähne gewinnen, sondern nur dadurch, dass die Zähnung an dieser Stelle wirklich fehlte.

Vorsicht vor Verwechslung. Die Ausgabe erschien auch geschnitten, und dort sind alle vier Seiten glatt — bei einer fehlenden Zähnung muss mindestens eine Seite gezähnt bleiben. Der Fehler lässt sich auch durch Abschneiden der Zähne vortäuschen, deshalb wird bei jedem Stück die Randbreite beurteilt: Ein beschnittener Rand ist gegenüber dem normalen schmaler, und meist sind daran Reste der Löcher erkennbar. Bei teureren Kombinationen (fehlende Zähnung an mehreren Seiten) ist ein Attest angebracht.

Verwandtes Thema: die Verschiebung der Zähnung gegenüber der Zeichnung. Das ist kein Versagen des Werkzeugs, sondern eine Ungenauigkeit beim Anlegen des Bogens — bei dieser Ausgabe so häufig, dass sie einen eigenen Abschnitt hat: Zähnungsverschiebung.

Zähnungsverschiebungen

Die Zähnung wurde erst nach dem Druck in den Bogen gelocht, in einem eigenen Arbeitsschritt und auf einer anderen Maschine. Die Lage des Lochrasters gegenüber der gedruckten Zeichnung war deshalb nie fest vorgegeben und weicht bei der Hradschin-Ausgabe ungewöhnlich oft vom Ideal ab. Die Beispiele unten stammen aus einer einzigen Sammlung — 28 Stücke, insgesamt 29 Marken — und decken die ganze Bandbreite ab, von kaum merklich ungleichen Rändern bis zu Stücken, bei denen die Zähnung durch die Zeichnung läuft und am Rand ein Streifen der Nachbarmarke stehen blieb.

Wie die Verschiebung entsteht

Posun zoubkovani vuci kresberichtigleicht verschobenstark verschobenRänder auf allenvier Seiten gleichRänder ungleich,Rahmen noch ganzRahmen angeschnitten,rechts die Nachbarmarke

Grade der Verschiebung

Eine Verschiebung ist kein Plattenfehler. Sie entsteht nicht in der Druckplatte, sondern erst beim Lochen, und wiederholt sich deshalb nicht auf derselben Markenposition — zur Bestimmung der Platte oder der Lage im Bogen lässt sie sich nicht verwenden. Beim Messen der Zähnung leistet sie dagegen gute Dienste: Auf einem verschobenen Stück ist zu sehen, wie weit vom Rahmen die Reihe liegt, und auf einem Paar oder Streifen auch, ob es sich um Linien- oder Kammzähnung handelt.

Vorsicht bei auffälligen Stücken. Eine starke Verschiebung erhöht den Sammlerreiz, deshalb ist es angebracht zu prüfen, ob die Zähnung ursprünglich ist: den Lochabstand mit einem belegten Typ derselben Platte vergleichen und kontrollieren, ob Form und Länge der Zähne den übrigen Seiten der Marke entsprechen.

Beispiele aus der Sammlung

Die Richtung ist stets als Verschiebung des Lochrasters gegenüber der Zeichnung angegeben: Verschiebung nach rechts bedeutet, dass die Zähnung weiter rechts liegt, sodass links ein schmaler und rechts ein breiter Rand bleibt. Mit einem Klick wird das Beispiel vergrößert.

Druckfehler

Teilweiser Doppeldruck

Auf diesen Marken teilt sich die Zeichnung durch eine gerade waagerechte Grenze in zwei Teile. Darüber ist der Abdruck sauber und scharf, darunter schwerer, verwischt und stellenweise verdoppelt — die Umrisse wiederholen sich um Bruchteile eines Millimeters versetzt. Die Grenze ist lineal-gerade, hat mit der Zeichnung nichts zu tun und setzt sich auch in die seitlichen Ränder der Marke fort. Auf allen vier belegten Stücken liegt sie ungefähr in derselben Höhe.

detail hranice mezi ostrým a zdvojeným tiskem / detail of the boundary between sharp and doubled print
Detail der Grenze (Stück 4) — oben ein sauberer Abdruck, unten ein verwischter und verdoppelter. Die Trennlinie ist gerade und läuft auch über die seitlichen Ränder.

Wie der Fehler entstand

Die Ursache liegt unter dem Bogen, nicht in der Druckplatte. Beim Druck geriet unter den Bogen ein Fremdkörper — höchstwahrscheinlich ein weiteres Blatt Papier: eine Unterlage, Makulatur oder eine umgeschlagene Bogenecke. Dessen gerade Kante hob einen Teil der Druckfläche an, und von diesem Augenblick an wurde der Bogen in zwei verschiedenen Höhen gedruckt.

  • Der angehobene Teil traf früher und mit größerem Druck auf die Form, als die Maschine eingestellt war.
  • Unter diesem Überdruck verschob sich das Papier auf der Form geringfügig, und der Abdruck verwischte bis zur Verdopplung — deshalb wiederholen sich die Umrisse nur um Bruchteile eines Millimeters nebeneinander.
  • Der übrige Teil des Bogens lag in normaler Höhe und druckte sauber ab.
  • Der Übergang zwischen beidem ist deshalb so gerade wie die Kante des Blattes, das die Anhebung verursachte. Er folgt dem Fremdkörper, nicht der Zeichnung — und gerade darum verläuft er ohne Rücksicht darauf, was darunter gedruckt ist.
  • Dass es sich um eine einmalige Situation an der Presse handelte, stützt auch die übereinstimmende Höhe der Grenze auf allen vier Stücken: Sie entspricht Marken aus einer Bogenreihe, die die Kante des untergelegten Blattes durchquerte.

Warum das keine gesprungene Platte ist

Stücke dieser Art tauchen in Angeboten als „gesprungene Druckplatte“ auf. Das ist ein Irrtum, und beides ist leicht zu unterscheiden:

  • Ein Sprung fügt Farbe hinzu. Im Riss der Platte hält sich Farbe, sodass er als zusätzliche Linie abdruckt. Hier ist keine Linie hinzugekommen — die Zeichnung ist auf beiden Seiten der Grenze dieselbe, es unterscheidet sich nur die Qualität des Abdrucks.
  • Ein Sprung ist konstant. Er gehört einem Markenfeld, wiederholt sich auf jedem weiteren Bogen und vergrößert sich mit der Zeit, sodass er sich in Phasen gliedern lässt. Eine verwischte Fläche wiederholt sich nirgends — sie entstand in einem bestimmten Durchgang der Presse.
  • Ein Sprung hält sich an die Platte, diese Grenze an das Papier. Die Trennlinie verläuft quer durch Zeichnung und Markenrand und kümmert sich nicht darum, was darunter liegt; ein Sprung liegt dagegen immer an einer bestimmten Stelle der Zeichnung.

Wie eine echte Beschädigung der Platte aussieht — mit farbiger Linie, an ein Markenfeld gebunden und zeitlich in Phasen gegliedert —, zeigt der Abschnitt Beschädigung der Druckplatte, in dem auch der Sprung auf 11/II zu finden ist.

Beispiele aus der Sammlung

LichtstellenÖrtlich geschwächter bis fehlender Druck von einer beschädigten oder zugesetzten Stelle der Platte. Behandelt auf einer eigenen Seite — Lichtstellen auf Platte I.
Zugelaufener DruckIn Vorbereitung.
Schleier — FarbüberschussIn Vorbereitung.

Beschädigung der Druckplatte

Ein Sonderfall unter den Herstellungsfehlern. Ein gewöhnlicher konstanter Plattenfehler ist von Anfang an in der Platte und gehört zur Rekonstruktion der Platten — Sie finden ihn in der Positionsgalerie. Hierher gehören nur jene Fälle, in denen die Platte erst während der Verwendung beschädigt wurde, meist bei der Reinigung. Eine solche Beschädigung entwickelt sich mit der Zeit, lässt sich also in Phasen gliedern — und die Phasen helfen dann, einzelne Stücke chronologisch einzuordnen. Beim Wert 15h sind auf diese Weise zwei Fälle bearbeitet.

Gesprungene Druckplatte — 11/IIEin ausgeprägter Sprung in der linken oberen Ecke auf dem 11. Feld der zweiten Platte, offenbar Folge einer Beschädigung bei der regelmäßigen Reinigung. Der Sprung vergrößerte sich allmählich; der Artikel gliedert ihn in fünf Phasen und zeigt ihr Vorkommen in den einzelnen Zähnungen — ganzer Artikel.
Beschädigter Rahmen — 60/VIDie Monographie führt das 60. Feld der sechsten Platte als Feld mit einem ausgewählten Plattenfehler — einem Fortsatz am rechten Rand des Rahmens. Probedrucke zeigten, dass sich das Objekt entwickelte: Der ursprüngliche Fortsatz (Typ I) brach später aus (Typ II) — ganzer Artikel.

Papierfehler

Papierfaltung

Die Marken der Ausgabe wurden auf angefeuchtetes Papier gedruckt. Ein feuchtes Blatt ist weich und wellt sich leicht, und wenn es nicht vollkommen gespannt in die Maschine gelangte, schob es sich unter dem Druck zusammen, und an der Umschlagstelle blieb eine Falte zurück. Der Druck erfolgte dann über die zerknitterte Oberfläche: Im Knick selbst wurde die Farbe nicht mitgedruckt, und nach dem Glätten „zieht“ das Papier die Zeichnung auseinander. Auf der fertigen Marke ist deshalb ein heller Streifen ohne Druck zu sehen, und seine beiden Seiten setzen sich nicht ineinander fort — die Zeichnung ist an dieser Stelle unterbrochen und versetzt.

Warum die Faltung entsteht

  • Das Papier wurde vor dem Druck angefeuchtet, damit es die Farbe besser annahm. Ein feuchter Bogen verliert seine Steifigkeit, wellt sich und schiebt sich leichter zusammen als ein trockener.
  • Die Bogen wurden von Hand in die Maschine eingelegt. Es genügte, dass ein Blatt nicht gerade auflag oder sich eine Kante unterschlug, und die Falte war da, ehe die Form aufsetzte.
  • Die Ausgabe entstand 1919 in Eile und auf provisorischer Ausrüstung — aus demselben Grund, aus dem bei dieser Ausgabe auch die übrigen Herstellungsfehler häufig sind.
  • Nach dem Druck trocknete der Bogen und schrumpfte. Die Falte wurde dadurch fixiert und blieb im Papier auch nach dem Zerteilen des Bogens in einzelne Marken erhalten.

Grade der Faltung

  • Wellung — das Papier ist nur gewellt, die Zeichnung bleibt zusammenhängend und wellt sich lediglich leicht. Der unauffälligste Zustand.
  • Falte — in der Zeichnung liegt ein dünner heller Streifen ohne Druck; die beiden Seiten der Zeichnung sind gegeneinander nur geringfügig versetzt.
  • Umschlag — das Papier war über sich selbst gelegt. Der unbedruckte Streifen ist breit, die Zeichnung setzt sich offensichtlich nicht fort und die Marke wirkt verformt. Der anschaulichste und bei Sammlern begehrteste Grad.

Wie man einen Herstellungsfehler von einer späteren Beschädigung unterscheidet. Entscheidend ist, ob sich die Zeichnung über die Falte hinweg fortsetzt. Entstand die Falte vor dem Druck, fehlt in ihr die Farbe und die Zeichnung setzt sich zu beiden Seiten nicht fort — das ist ein Herstellungsfehler. Wurde das Papier erst nach dem Druck zerknittert, läuft die Zeichnung übergangslos über den Knick und nur das Papier ist gefaltet; dann handelt es sich um eine Beschädigung, die den Wert im Gegenteil mindert. Bei Mehrfachstücken ist der Nachweis am stärksten: Eine Falte, die über den Zwischenraum von einer Marke auf die andere übergeht, muss schon beim Druck im Bogen gewesen sein.

Beispiele aus der Sammlung

Fünfundzwanzig Marken auf dreiundzwanzig Stücken — einundzwanzig Einzelmarken, ein geschnittenes waagerechtes Paar (Stück 1) und ein senkrechtes Paar (Stück 23). Mit einem Klick wird das Beispiel vergrößert.

Holzsplitter und Stäubchen — ein Fremdkörper im Papier

Schon bei seiner Herstellung geriet in das Papier ein Fremdkörper — ein Holzsplitter, ein Stück Rinde oder eine nicht aufgeschlossene Faser, die den Mahlvorgang überstanden hat. Sammler haben dafür je nach Form zwei Namen: Ein länglicher Span heißt Holzsplitter, ein kleines kompaktes Teilchen Stäubchen. Der Fremdkörper blieb in der Dicke des Bogens eingepresst, und die Marke trägt ihn bis heute.

Das Erkennungsmerkmal ist, dass er von beiden Seiten zu sehen ist. Schmutz, der sich später auf die Marke gesetzt hat, liegt auf der Oberfläche einer Seite. Ein Splitter ist im Papier eingeschlossen und meldet sich daher von der Bildseite wie von der Rückseite — an derselben Stelle, nur spiegelverkehrt.

Details der Objekte von der Vorder- und der Rückseite
Von links die Stücke 1–3. Obere Reihe Bildseite, untere Reihe Rückseite — spiegelverkehrt gedreht, damit die Stellen einander entsprechen.

Wie der Fehler entstand

Der Fremdkörper gelangte in der Papierfabrik in das Papier, lange vor dem Druck — mit der Druckform hat er nichts zu tun und wiederholt sich auf derselben Markenposition nicht. Die Ausgabe wurde auf dem Papier gedruckt, das 1919 zu haben war; die Qualität schwankte, und die Kontrolle des Rohstoffs gehörte nicht zu dem, worauf es damals am meisten ankam. Fremdkörper im Papier sind bei dieser Ausgabe deshalb verhältnismäßig häufig.

Weil der Fremdkörper schon beim Druck vorhanden war, reagiert auch der Druck auf ihn. Die Oberfläche ist an dieser Stelle nicht eben und nimmt die Farbe anders auf, sodass die Farbe nicht überträgt, wie sie soll: Um das Teilchen liegt meist ein heller Hof ohne Druck, oder die Zeichnung ist unterbrochen. Auf der Rückseite ist um ihn herum manchmal ein durchscheinender Saum zu sehen — die Papierfasern sind um den Fremdkörper auseinandergetreten und das Papier ist dort dünner.

Wie man ihn von späterem Schmutz unterscheidet. Entscheidend ist, ob der Fremdkörper im Papier steckt oder auf ihm liegt. Ein eingepresstes Teilchen ist von beiden Seiten zu sehen, lässt sich nicht abkratzen, und der Druck um es herum ist gestört — die Farbe ist nicht an es herangekommen. Später aufgeklebter Schmutz liegt nur auf einer Seite, die Zeichnung setzt sich darunter ununterbrochen fort, und bei streifendem Licht tritt er über die Oberfläche hervor. Ein größerer Splitter schwächt zudem das Papier: Der Bogen ist dort dünner und reißt leichter, sodass ein solches Stück vorsichtig zu behandeln ist.

Beispiele aus der Sammlung

Bei jedem Stück steht links die Bildseite und rechts die Rückseite derselben Marke. Mit einem Klick wird das Beispiel vergrößert.

PapierumschlägeIn Vorbereitung.

Der Abschnitt wächst nach und nach. Jede Fehlerart erhält einen eigenen Teil mit der Beschreibung, wie sie entstand, und mit eigenen Beispielen; wenn ein Teil die Seite sprengt, wird er auf eine eigene Seite ausgelagert, und hier bleibt eine Zusammenfassung mit Link — so wie bei den Lichtstellen.