Buchdruck — wie die Ausgabe gedruckt wurde

Alles, was diese Ausgabe für den Spezialisten interessant macht — sieben Platten, hundert unterscheidbare Felder auf jeder von ihnen, Typen, Plattenfehler, Lichtstellen, Doppeldruck — folgt aus einem einzigen Umstand: Die Marken wurden im Buchdruck gedruckt, auf Maschinen, die für so genaue Arbeit nicht gebaut waren. Diese Seite erklärt, wie der Buchdruck arbeitet, was dabei schiefgeht und warum das für den Sammler eher ein Geschenk als ein Ärgernis ist.

Hochdruck

Der Buchdruck ist ein Druck von der erhabenen Fläche. Die druckenden Elemente der Form stehen hoch, alles Übrige liegt vertieft. Die Farbwalze fährt über die Form, und die Farbe haftet nur auf den Höhen; das Papier wird dann an die Form gepresst und das Bild überträgt sich. Die Vertiefungen berühren das Papier überhaupt nicht — und bleiben deshalb weiß.

Das Prinzip des Buchdrucks — HochdruckDruckanpressungdas Papier wird eingedrückt —das Relief ist von der Rückseite fühlbardie Farbe wird zur Seite gedrückt —am Rand entsteht ein SaumNur die erhabenen Stellen der Form drucken; die Vertiefungen bleiben weiß.

Daraus ergeben sich zwei Spuren, an denen der Buchdruck auch nach hundert Jahren zu erkennen ist. Das Papier ist an den Stellen der druckenden Elemente eingedrückt — die Zeichnung ist von der Rückseite tastbar und bei streifendem Licht sichtbar. Und weil die Farbe unter dem Druck zur Seite gepresst wird, sammelt sie sich an den Rändern der Farbflächen häufig zu einem dunkleren Saum.

Andere Techniken verhalten sich umgekehrt. Beim Tiefdruck (Stichtiefdruck) liegt die Farbe in den Vertiefungen der Form und tritt aus dem Papier als Relief nach oben hervor. Beim Offset und bei der Lithografie ist die Form flach, das Papier wird gar nicht verformt und der Druck ist glatt. Eine Marke ohne jedes Relief, die aus dieser Ausgabe stammen soll, verdient daher einen zweiten Blick.

Von der Zeichnung zum Bogen

Muchas Zeichnung musste zunächst die Gestalt eines druckenden Reliefs erhalten. Aus dem fertigen Element wurde dann eine Druckform mit hundert Markenfeldern zusammengesetzt — also hundert einzelne Bilder nebeneinander, nicht ein Bild hundertmal. Genau hier entsteht die ganze heutige Spezialisierung: Was sich unter diesen hundert Elementen unterscheidet, unterscheidet sich immer und an derselben Stelle.

Daraus ergibt sich die Unterscheidung, die sich durch die ganze Website zieht. Eine Abweichung, die an ein bestimmtes Markenfeld gebunden ist, ist ein Plattenfehler — sie wiederholt sich auf jedem Bogen aus derselben Platte und dient zur Bestimmung von Position und Platte; damit befassen sich die Positionsgalerie und die Plattenrekonstruktionen. Eine Abweichung, die an einen bestimmten Bogen oder einen Durchgang durch die Maschine gebunden ist, ist ein Herstellungsfehler — sie ist zufällig, wiederholt sich nicht und gehört zu den Herstellungsfehlern.

Der Rest des Verfahrens ist ebenso wichtig wie der Druck selbst. Das Papier wurde vor dem Druck angefeuchtet, damit es die Farbe besser annahm, und die Zähnung kam erst zuletzt, als eigener Arbeitsgang auf einer anderen Maschine — auf Bogen, die inzwischen getrocknet waren und sich mit dem Druck nicht mehr in Übereinstimmung bringen ließen. Jeder dieser Schritte hat seine eigene Gruppe von Fehlern zu verantworten.

Was dabei schiefgeht

Eine Übersicht der Abweichungen danach, in welcher Fertigungsstufe sie entstehen. Die Links führen dorthin, wo jede von ihnen samt Beispielen behandelt wird.

FertigungsstufeWas schiefgehtWo auf der Website
Die Form — Abnutzung und ReinigungBeschädigung eines Druckelements: Sprünge, Ausbrüche, Retuschen. An ein Markenfeld gebunden, im Lauf der Zeit fortschreitend.Beschädigung der Druckplatte
Einfärben der FormZu wenig Farbe oder eine zugesetzte Vertiefung — geschwächter bis fehlender Druck (Lichtstellen). Zu viel Farbe — zugelaufener Druck und Schleier.Lichtstellen · Druckfehler
Anfeuchten des PapiersDer weiche Bogen wellt sich und schiebt sich zusammen; im Knick wird die Farbe nicht mitgedruckt und die Zeichnung setzt sich nicht fort.Papierfaltung
AnpressdruckEin Fremdkörper unter dem Bogen hebt einen Teil der Fläche an — ein Teil des Abdrucks fällt verwischt oder verdoppelt aus, mit gerader Grenze.Teilweiser Doppeldruck
ZähnungenHandanlage und Dutzende einzelner Schläge: Verschiebung gegenüber der Zeichnung, Doppelschlag, ausgelassene Reihe.Zähnungen · Zähnungsfehler

Die meisten dieser Abweichungen würden heute Makulatur bedeuten und der Bogen käme nicht in den Verkehr. 1919 wurde unter provisorischen Verhältnissen gedruckt, in Eile und mit dem, was zur Hand war — und die fertigen Bogen gingen an die Schalter, so wie sie ausfielen. Deshalb steht so viel Material zur Verfügung, dass es sich statistisch untersuchen lässt und nicht nur anhand einzelner Unikate.

Warum das für den Sammler ein Vorteil ist

Wie Sie den Buchdruck an der Marke in der Hand erkennen

Zwei Einschränkungen. Das Relief lässt sich verwischen — bei Stücken, die gewässert, gewaschen oder im Album gepresst wurden, kann es kaum noch wahrnehmbar sein, und sein Fehlen beweist daher für sich allein nichts. Und umgekehrt: Das Relief ist ein Anhaltspunkt, kein Attest. Bei Stücken, bei denen es auf die Bestimmung wirklich ankommt, kann es ein Attest nicht ersetzen.