15h – Lichtstelle auf 20/V
Auf dem Markenfeld 20 der V. Druckplatte schließt sich bei einem Teil der Marken der äußere Rahmen nicht: die untere Rahmenlinie endet ein Stück vor der rechten unteren Ecke, und die senkrechte Linie erreicht sie nicht. Die Ecke bleibt offen — dort fehlt die Farbe. Es handelt sich um eine Lichtstelle, also um örtlich geschwächten bis fehlenden Druck. Da sie bei allen belegten Stücken an derselben Stelle sitzt, gehört sie zur Platte und nicht zur einzelnen Marke.
Wie es aussieht


Links 20/V mit der Lichtstelle, rechts dasselbe Feld ohne sie. Der Kreis markiert die betrachtete Stelle.
Die Ecke im Detail:


Links die Lichtstelle: die untere Linie endet als Stummel, die Ecke fehlt. Rechts ein geschlossener rechter Winkel.
Der Rahmen behält dabei seine Form — nichts vom Relief ist ausgebrochen oder verschoben, es druckt sich in der Ecke lediglich nicht ab. Genau darin unterscheidet sich dieser Fall von 60/VI, wo der Fortsatz am Rahmenrand tatsächlich verformt wurde.
Entwicklungsreihe
Die Lichtstelle ist nicht bei allen Stücken gleich stark. Für jedes Stück messe ich, wie viel Farbe in der äußeren Rahmenecke vorhanden ist, gemessen an derselben Rahmenlinie an anderer Stelle derselben Marke: ein Index von 1,0 bedeutet, dass in der Ecke ebenso viel Farbe liegt wie in der Kontrollfläche, ein niedrigerer Wert, dass sie fehlt. Die Normierung innerhalb eines Stückes ist wesentlich — sie beseitigt Unterschiede in der Farbsättigung und im Scan, die die Messung sonst überdecken würden.

Die Reihe ist stetig — nicht zwei getrennte Gruppen, „mit Lichtstelle“ und „ohne“. Der allmähliche Übergang von der offenen zur geschlossenen Ecke ist genau das, was eine Lichtstelle tut: sie entsteht und verstärkt sich im Lauf des Drucks. Eine einmalige Beschädigung der Platte ergäbe zwei getrennte Werte, keine Skala.
Die Lichtstelle und die Zähnungen
| Zähnung | Ohne Lichtstelle | Mit Lichtstelle |
|---|---|---|
| A (13¾:13½) | belegt | — |
| B (11¾) | belegt | belegt |
| C (13¾) | belegt | belegt |
Die Übersicht stützt sich auf die Zähnungen A, B und C — die drei Zähnungen, die neben der geschnittenen Form auf der V. Platte belegt sind.
Auf den ersten Blick bietet sich die Lesart an, die Lichtstelle sei erst aufgetreten, nachdem die Bogen mit Zähnung A abgefertigt waren. Die Zahlen aus den Statistiken tragen einen solchen Schluss jedoch nicht:
- Zähnung A ist auf den Platten V–VI selten: 501 Stück, also rund 5 % des Materials dieser Platten, gegenüber etwa 47 % bei B wie bei C. Unter den Stücken mit Lichtstelle läge die erwartete Zahl der Stücke mit Zähnung A bei etwa einem halben — ein Nullbefund beweist also für sich genommen nichts.
- Die frühesten belegten Verwendungen sprechen eher dagegen: A auf den Platten 5–6 ist ab dem 25. 3. 1920 belegt, B dagegen ab dem 8. 2. 1920 und C ab dem 22. 2. 1920. Auf diesen Platten tritt Zähnung A zuletzt auf, nicht zuerst.
- Die Zähnung war überdies der letzte Arbeitsgang und musste dem Druck eines Bogens nicht unmittelbar folgen. Die Zähnungsgruppe sagt daher über den Zeitpunkt des Drucks nur ungefähr etwas aus und taugt als Datierungshilfe höchstens zur groben Orientierung.
Es bleibt die nüchterne Feststellung: die Lichtstelle ist in den Zähnungen B und C belegt, also in den beiden Gruppen, die auf der V. Platte die überwiegende Mehrheit des Materials ausmachen. Ob sie auch in Zähnung A und in der geschnittenen Form vorkommt, bleibt offen — und genau dorthin lohnt es sich, weitere Funde zu richten.
Der Portoaufdruck
Ein Stück außerhalb der Studienbibliothek trägt den Aufdruck 30 DOPLATIT. Die Lichtstelle ist darauf ausgeprägt — Index 0,59, also im Bereich der stärksten Stücke der Bibliothek. Die Platte gelangte in diesem Zustand also auch in Bogen, die später für die Portoaufdrucke verwendet wurden; für den Sammler heißt das: 20/V mit der Lichtstelle lohnt die Suche nicht nur unter den Freimarken.

Wie weiter
Über Meldungen weiterer Stücke von 20/V freue ich mich — besonders in Zähnung A und in der geschnittenen Form und vor allem über Stücke mit lesbar datiertem Stempel: erst Stempeldaten erlauben es, die Entwicklungsreihe chronologisch zu ordnen und zu bestätigen, dass die Lichtstelle mit der Zeit tatsächlich zunimmt. Die Kontaktangaben finden Sie auf der Seite Gesucht.